Die Stadtchronik des Louis Günther
Das Thema stand am 25. April 2026 im Mittelpunkt eines Vortrags im „Alten Krug“, der sich mit dem „zugezogenen Zossener“ Louis Günther beschäftigte. Über ihn wird in geschichtsinteressierten Kreisen oft gesprochen, doch wer war dieser Mann eigentlich?
Diesmal referierte die Vorsitzende des Heimatvereins, Karola Andrae, selbst. So schlug sie einen Bogen von der Zeitgeschichte des Kaiserreiches über die Entwicklung von Berlin bis hin zur Wanderung der Menschen auf der Suche nach Arbeit und Glück - damals oft in Richtung Amerika, aber auch in Richtung Berlin.
In dieser Zeit ist auch der 25-jährige Louis Günther 1893 mit seiner frisch angetrauten Ehefrau aus Apolda nach Zossen gekommen. Gelockt hatte eine Zeitungsofferte. Es war eineArbeitsstelle für die Betreuung der 17 stadteigenen Petroleum-Straßenlampen ausgeschrieben.
Schnell hatte man im Rathaus Zossen erkannt, dass Louis Günther doch noch viel besser eingesetzt werden kann. Unter Bürgermeister Regener stieg er zum Verwaltungsgehilfen auf. Bürgermeister Dr. Wirth beförderte ihn später sogar zum Bürovorsteher. Dr. Wirth (aus Guben kommend) und er müssen beide ein sehr gutes Arbeitsklima gehabt haben. Beide Männer gingen 1933 in den Ruhestand. Louis Günther verstarb 1946 in Zossen.
In seiner aktiven Zeit hat er schon umfangreiche Texte zur Stadtgeschichte veröffentlicht, die in den Zeitungen, Zeitschriften und Kalendern der Zeit veröffentlicht wurden. In vielen Festschriften und Jubiläumszeitungen fand
man viel Historisches über die Stadt.
Nach den Unterlagen des Heimatvereins hat Louis Günther erst im Ruhestand die „Chronik der Stadt Zossen“ verfasst. Es gibt aber unterdessen so viele Kopien, die sich alle Chronik nennen. Ursprung und Inhalt sind stellenweise sehr vage.
Der Heimatverein hatte 2020 durch Zufall eine Chronik erhalten, die Louis Günther noch selbst handschriftlich korrigiert hat und in der bisher nicht bekannte Bilder der Stadt zu sehen sind.
Leider ist diese Chronik in einem desolaten Zustand und bedarf einer fachgerechten Aufarbeitung. Dann wird es erst möglich sein, diese Chronik mit all den umlaufenden Kopien zuvergleichen um auf den Ursprung zurück zu kommen.
Erst dann haben wir die Chronik des Louis Günther und nicht eine Chronik nach Louis Günther.
Übrigens: In diesem Jahr jährt sich der 80. Todestag dieses besonderen Bürgers der Stadt Zossen.
Text: Karola Andrae


Aus dem Nähkästchen geplaudert
Der Vortrag von Schneider Jörg Peter am 28. März 2026 im Rückblick
Schneider Jörg Peter aus Zossen war offensichtlich etwas aufgeregt an diesem Sonnabendnachmittag. Vor so einer Besucherschar im „Alten Krug“ zu referieren ist ja auch nicht alltäglich und mit so vielen Gästen hatte er dann wohl auch nicht gerechnet. Und so gab er zunächst einen Überblick über das Schneiderhandwerk im Allgemeinen. Zudem stellte er unterschiedliche Scheren, Maßbänder, Stoffe, Garne und Bügeleisen vor und erklärte ihre Funktionen im Schneiderhandwerk. Dann erzählte Jörg Peter über seinen Werdegang, wie er zum Beruf des Herrenschneiders gekommen ist und welche interessante Arbeitsstellen er in der Vergangenheit schon hatte, bevor er sich selbstständig machte. Darunter war auch eine Firma, die zum Bereich von Alexander Schalck-Golodkowski, dem Devisen-Beschaffer der DDR, gehörte.
Schließlich ging es dann ans Fachliche. Was ist Maßanfertigung und warum dauert es so lange. An einem historischen Anzug der Ausstellung, die zur Zeit im Heimatmuseum zu sehen ist, zeigte er die einzelnen Arbeitsschritte und auch die vielen verwendeten Materialien, die hierfür nötig sind. Bis heute erfolgt Maßanfertigung genau wie vor 100 Jahren. Ein so aufwändig angefertigtes Stück aus hochwertigen Stoffen kann einen durchaus sein ganzes Leben begleiten, denn Maßanfertigungen haben immer zeitlose Eleganz.
Es war ein sehr informativer und lustiger Nachmittag, der mit einigen Episoden aus dem Alltag des „Zossener Schneiders“ Jörg Peters mit seiner hiesigen Kundschaft endete. Das Thema fand spürbar Anklang bei den Gästen, die bei Kaffee und Kuchen im „Alten Krug“ vor der Kulisse der aktuellen Ausstellung zum Schneiderhandwerk eine stimmungsvolle Zeit verbrachten. Wie sagte eine Besucherin passend: Echte gute Bekleidung sind keine Klamotten.
Die sehr informative Ausstellung über das Schneiderhandwerk mit vielen tollen Schaustücken ist noch bis 22. August 2026 im „Alten Krug“, Weinberge 15, zu sehen - siehe > Ausstellung "Von der Ahle bis zum Zwirn"
Karola Andrae


Am 26.3.2026 wurde im Heimatmuseum „Alten Krug“ in Zossen die erste Ehe geschlossen.
Ein besonderer Reiz war die gestaltete Umgebung der derzeitigen Modeausstellung.
Bis Mitte August kann man noch in dieser Umgebung sein „Ja-Wort“ geben, bis eine neue Ausstellung gestaltet ist.
Karola Andrae
Rückblick auf die Ausstellung
„Fokus auf Lokus“ von 2025
Keine andere Ausstellung im Heimatmuseum hat in den vergangenen Jahren eine so ange Nachhaltigkeit erlebt wie die mit dem Motto „Fokus auf Lokus“. Im Ausstellungszeitraum besuchten uns 329 Personen, die die großformatigen Bilder mit Toiletten-Motiven aus aller Welt von Jörg Roschlau sehen wollten und sich oft über die Fotos amüsierten. Der Besucher mit der weitesten Anreise kam aus China. Aber die Begeisterung und der Nachhall reißen nicht ab. Jetzt erreichte uns noch anliegende Bilddokumentation per Post. Oft zeigt man uns Handy-Fotos zu diesem besonderen Thema. Schließlich können alle was damit anfangen und mitreden.
Es war eben doch nicht nur ein „Sch. . . Thema“.
Text: Karola Andrae
Foto: Carsten
Die Zitadelle Spandau und der Bezug zu Zossen
A
m 7. Februar 2026 war Karl-Heinz Bannasch aus Berlin-Spandau wieder einmal zu Gast in Zossen. Geladen war er erneut, um über das Thema der bekannten Zitadelle Spandau und deren Bezug zu Zossen zu sprechen.
Bereits im Jahr 2015 war er mit diesem Thema erstmalig in Zossen und begeisterte damals die Besucher. Danach folgten jährlich neue interessante Vorträge, bis Corona dazwischenkam. In Erinnerung geblieben ist nicht zuletzt die Auftaktveranstaltung zur 700-Jahr-Feier Zossen im Gemeindesaal im Jahr 2020, zu der Karl-Heinz Bannasch herzlich begrüßt wurde. Die Berichte zu seinen Vorträgen in Zossen sind auf der Internetseite des Heimatvereins nachzulesen.
Erstmalig war Karl-Heinz Bannasch diesmal nun als Referent in den Räumen des „Alten Krug“. Einen Tag zuvor war noch überlegt worden, den Vortrag wegen Glatteis abzusagen, was aber schließlich verworfen wurde. Und so standen Referent und Gastgeber mit großen Erwartungen ab 14.30 Uhr bereit, um die Besucher zu empfangen. Und sie wurden nicht enttäuscht, denn auf die treue Besucherschar war wieder einmal Verlass. Bis 15 Uhr waren 30 Plätze besetzt, alle Gäste wurden mit Glühwein
oder Kaffee versorgt und es konnte losgehen.
Zuerst wurden gerahmte Land-Karten, Kupferstiche und Bilder erklärt, sodass man schon einen guten Einstieg in die damalige Zeit hatte. Die bestehende Burg in Zossen sollte zu Großem erwachen, aber Zossen ist bekanntlich nicht zum Zug gekommen, da nach umfangreicher Prüfung die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt waren. Zossen war zur damaligen Zeit noch ein Lehen in Richtung Prag, wo man katholisch war. Das evangelische Preußen wollte auf diesen Grund sicher nicht bauen. Nach den Unterlagen galten die Zossener schon damals als Querulanten. Zur damaligen Zeit sind auch nur 80 männliche Bewohner für hier benannt, denn Frauen und Kinder wurden nicht gezählt. Spandau lag dann doch günstiger an den großen Handelsstraßen und an der Berliner Residenz gelegen. Da der König oft schlecht bei„Kasse“ war, sollten die Städte und Dörfer u.a. Handwerker, Fuhrwerke usw. für den Zitadellen-Bau stellen. Natürlich hatte sich Zossen auch geweigert . . .
Wer die Zitadelle Spandau schon einmal besucht hat, kennt deren Ausmaße. Auf Zossen übertragen, hätte dies bedeutet, dass sie bis zum Kietz gereicht hätte. Alle Bürger hätten
damals dann in der Zitadelle gewohnt oder wären ausgesiedelt worden.
Schnell und kurzweilig war dann auch die Zeit vergangen. Als kleines Dankeschön bekam Herr Bannasch das Buch „Die Burganlage von Zossen“ von Thomas Krause und das Buch „Auf Zeitreise durch Zossen“ von Fred Hasselmann überreicht. Zossen, das zeigen die Bücher, hat auch ohne den Zitadellen-Bau eine schöne Entwicklung genommen.
Text: Karola Andrae
Fotos: Klaus Andrae
"Er gab einem Gebiet seinen Namen" - Vortrag von Stefan Rothen aus Rangsdorf über den Rittergutsbesitzer Carl Magnus von Zülow
Was wir aus der Geschichte lernen können?
Der Vortrag von Herrn Rothen am 17.01.26 im „Alten Krug“ war Anlass für alle Interessierten, sich mit dem Thema Zülowkanal und seinem Bauherrn Carl Magnus von Zülow zu befassen. Auch weitere Zülows der Familie wurden im Vortrag erwähnt. Weitere Bauten und Naturschutzgebiete sind mit dem Namen des ehemaligen Dahlewitzer Gutsbesitzers verbunden.
Mich ließ eine Nebenbemerkung von Herrn Rothen in weitere Gedanken versinken. Der Herr Zülow war auf dem Weg, Neues zu installieren, aus seiner Sicht Fortschritt zu initiieren, um damit mehr Lebensqualität für die Menschen vor Ort zu ermöglichen. Die potenziellen Nutznießer aber unterstützten die Sache nicht oder blockierten sie. Mit dem Blick von heute ist das nicht zu erklären, warum man damals die neuen Gedanken nicht zulassen wollte…
Ich persönlich wünsche mir, mit Sonnenenergie, Erdwärme, E-Auto, weitgehend papierlos, in jedem Fall ohne Stapel von Papierwerbung zu leben und hoffe, dass es immer mehr Menschen werden, die sich um die Zukunft ihrer Kinder bzw. Enkel sorgen. Zukunft und Fortschritt zu sichern, heißt immer Überholtes, Schädliches vielleicht auch Nutzloses auszusortieren, um neue Wege zu ermöglichen.
Der Vortrag über die Unternehmen des Herrn Zülow war sehr schön kulturell eingebunden und von den fleißigen Bäckerinnen des Heimatvereins umrahmt.
Ein angenehmer Nachmittag.
Herzlichen Dank.
Text: Ilse Ryczewski
Foto: Klaus Andrae
